Vorwort zum nachfolgenden Beitrag
Der nachfolgende Beitrag soll die Heraldik vorstellen. Er ist eine Zusammenfassung wichtiger Bereiche. Der allgemein gehaltene Beitrag kann und soll keine vollständige Abhandlung über die Heraldik als Hilfswissenschaft der Geschichte sein. Zur Vertiefung der Materie wird die Lektüre von heraldischen Fachbüchern angeraten.
Wer sich mit der Heraldik beschäftigt, wird erleben, wie er anhand der Wappenbilder Länder, Städte, Menschen und Geschichte besser kennenlernt.
Heraldik
Heraldik oder Wappenkunde ist die Wissenschaft vom Wesen der Wappen, den Regeln der Wappenführung und der Geschichte des Wappenwesens. Die Wappenlehre ist eine historische und soziale Hilfswissenschaft. Ihrerseits dienen ihr als wesentliche Hilfs- und Nebenwissenschaften die Geschlechterkunde (Genealogie), die Siegelkunde (Sphragistik), das Münzwesen (Numismatik), die Fahnen- und Flaggenkunde (Vexillologie), die Volkskunde sowie ganz allgemein die Historie an sich.
Das Wort Heraldik = Lehre vom Wappenwesen kam im 17. / 18. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden französischen Begriff „science héraldique“ (eigentlich Heroldskunst) zu uns. Damit wurde auf den Herold Bezug genommen. Ein Herold war im Mittelalter der Auf- und Ausrufer seines Herrschers. Während der Blütezeit der Heraldik (etwa zwischen dem 13. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts) tritt dieser mittelalterliche Amtsträger und Fachmann für die Wappenkunde in den Blickpunkt. Der Herold stand im Dienste von Fürsten, adliger Landesherren, Turniergesellschaften und Städten. Er hatte neben der Erledigung fachheraldischer Tätigkeiten noch diverse andere Aufgaben. So war er offizieller Bote und Diplomat in Krieg und Frieden, ausgestattet mit der Immunität als Botschafter seines Herren. Als Leiter des Hofzeremoniells war er Organisator von Staatsaktionen, Hochzeiten und Beerdigungen wichtiger Persönlichkeiten. Herolde organisierten Turniere. Sie identifizierten die Teilnehmer und kündigten sie an. Zugleich waren die Herolde für die Einhaltung der Turnierregeln verantwortlich, indem sie als Kampf- und Schiedsrichter agierten.
Die Herolde mussten die Wettkämpfer an ihren Wappen unterscheiden können, dazu legten sie sich Wappenrollen (gemalte Teilnehmerlisten) an, die gesammelt wurden. Sie wurden Experten der Wappenkunde und begannen schon sehr früh eine Kunstsprache (das Blasonieren) zu entwickeln, mit der sie ein Wappen fachgemäß beschreiben konnten. Die Stellung des Herolds in der Gesellschaft war sehr angesehen. Sogar Reichsherolde gab es. Herold zu sein war eine große Ehre und Auszeichnung.
Der Name Herold ist im Deutschen seit dem 14. Jahrhundert bezeugt (spätmittel-hochdeutsch „heralt“). Auch dieses Wort fand seinen Weg aus dem Französischen (altfrz.: „héralt“, neufrz.: „hérault“) zu uns. Doch das Wort ist nicht romanischen, sondern germanischen Ursprungs. Unter „hariowisio“, „hariowald“ verstanden die Germanen diejenigen Männer, die die Symbole der Götter und Geschlechter kannten. Daraus entwickelte sich das altfränkische Substantiv „hariwald“, der Heereswalter (Heeresbeamter); es ist noch in dem nordischen Männernamen „Harald“ erhalten geblieben.
Das Wort Wappen ist aus dem Wort „Waffen“ entstanden – kein Wunder, denn die ersten Wappen erschienen auf den Kampfschilden der Ritter. Genauer gesagt, sie erschienen auf deren Abwehrwaffen. Etymologisch liegt die Wurzel der Bezeichnung im mittelhochdeutschen Wappen = „Waffen, Wappen“, das in der Blütezeit des flandrischen Rittertums aus dem gleichlautenden mittelniederländischen Begriff entlehnt wurde. Erst vom Ende des 12. Jahrhunderts an trat neben der Bezeichnung „Waffe“ auch das „Wappen“ in Erscheinung. Schon bald nach seiner Entstehung breitete sich das Wappenwesen auf den zivilen Bereich aus (Städte, Bürger, Handwerker, Geistliche).
Die Gestaltung eines Wappens
Ein vollständiges Wappen („Vollwappen“) besteht im wesentlichen aus dem Schild, dem Helm, der Helmzier und der Helmdecke. Bei Neustiftungen (= Neuannahmen) werden i.d.R. nur Vollwappen in den Wappenrollen registriert. Zubehör sind Wappensprüche, Würde- und Rangabzeichen, Schildhalterfiguren und Orden. Bei neu angenommenen Wappen sollte aber kein Zubehör verwendet werden. Die zum heraldischen Zubehör zählenden Wappensprüche sind nicht erblich.
Bürgerliche Wappen zeigen in der Regel den (älteren) Stechhelm, adlige Wappen dagegen den Bügelhelm (siehe hierzu Ausführungen unten). Bei Neustiftungen (= Neuannahmen) werden allgemein nur Vollwappen mit Helm und Helmzier in die anerkannten Wappenrollen eingetragen. Bürgerliche Wappen zeigen dann grundsätzlich den Stechhelm.
Die Heraldik kennt nur bestimmte „Farben“ (Rot, Blau, Schwarz, Grün und – seltener – das Purpur) und „Metalle“ (Gold/Gelb und Silber/Weiß). Daneben wird Pelzwerk (Hermelin, Feh und Kürsch) dargestellt. Dieses Pelzwerk kann mit Metallen und Farben auch kombiniert werden. Die später den heraldischen Tinkturen zugeordnete – unheraldische – Farbe Braun sollte bei neuen Familienwappen tunlichst vermieden werden. Wahrscheinlich ist die braune Tinktur aus einem später stark nachgedunkelten Rot, das im Laufe der Zeit missverstanden wurde, entstanden.
Eine Regel, welche ursprünglich mit der Fernwirkung zu tun hatte, ist, dass niemals Metall an bzw. auf Metall, noch Farbe an bzw. auf Farbe gesetzt werden darf. Metall und Farbe sollen sich abwechseln. Grundsätzlich wird angeraten, bei der Neustiftung eines Wappens möglichst nur eine Farbe und ein Metall zu verwenden. Es gilt wie bei der Auswahl der Schildfiguren der Grundsatz: Weniger ist mehr!
Der Schild ist der wesentlichste Bestandteil eines Wappens. Ursprünglich bestand das Wappen nur aus dem Schild. Der Inhalt eines Schildes wird in Heroldsbilder, das sind die verschiedenen Schildeinteilungen, und gemeine Figuren, in der Regel stilisierte Tiere, Pflanzen und Fabelwesen, eingeteilt. Buchstaben und Zahlen sind unheraldisch und sollten bei Neustiftungen vermieden werden.
Erst im ausgehenden Mittelalter kamen Helm, Helmzier und Helmdecke hinzu. Zuerst der Topfhelm, dann der Kübelhelm, später der Stechhelm und der Bügelhelm. Als Helmzier wurden Flügel, Hörner, steigende Pferde, Vögel, Geweihe usw. aufgesetzt. Die Stellung der Helmzier richtet sich dabei immer nach der Blickrichtung des Helms. Bei Wappen adeliger Familien wurden statt Helm und Helmzier auch Kronen auf den Schild aufgesetzt, was bei bürgerlichen Wappen nicht üblich war und ist.
Die Helmdecke war ursprünglich ein Bestandteil des Helms. Sie wurde später zur ornamentalen Ausschmückung des Wappenbildes benutzt und im Stil dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Die Helmdecke ist ein über den Helm gebreitetes, an beiden Seiten herabhängendes, vielfach in kleine schnörkelige Streifen geschnittenes Tuch in den Wappenfarben. Es wurde zur allgemeinen Regel, dass die Außenseite der Helmdecke eine andere Farbe erhielt als die der Innenseite. Hierbei ist ebenfalls das oben genannte (heraldische) Farbgesetz von Farbe und Metall zu befolgen. Die Metalle (Gold und Silber) erscheinen meist als Futter (= auf der Innenseite). Allgemein bestimmen die Hauptfarbe und das Hauptmetall des Wappens die Helmdecke. Geht das Helmkleinod allerdings ohne Helmwulst direkt in die Helmdecke über, so bestimmt dieses immer deren Farbe.


